Dienstag, 1. März 2011

Mit der Gesamtsituation unzufrieden

Oder auf gut Deutsch: Alles scheisse.

Hat alles nicht so geklappt wie wir uns das vorgestellt und wonach wir alles aus- und eingerichtet haben: Miguel hat nicht den Heimflughafen Guadalajara bekommen, sondern Mexico City. Nicht, weil die nicht gewollt haetten, sondern weil einige neue gebrauchte Flugzeuge aus dem Osten noch nicht angekommen sind. Ohne die koennen nicht alle drei Basen, Monterrey, Guadalajara und die zuletzt eroeffnete in Mexico City aufrecht erhalten werden. Also gibt es bis die kommen nur Mexico City oder Monterrey, und Mexico City ist durchaus das kleinere Uebel. Jedenfalls hat keiner eine Ahnung, wie lange das dauern kann. Wochen? Monate? Ein Jahr? Und bin ich nicht eigentlich hier, um mit Miguel zusammen, und nicht getrennt, zu sein? Dann sollte ich ja eigentlich hinterher.

Aber: Vor einem Monat erst sind wir umgezogen. Den Vertrag zu beenden kostet „nur“ eine Monatsmiete, aber ein Umzugsunternehmen in eine andere Stadt mindestens nochmal so viel. Und Geld uebrig ist was wir seit letzten Sommer am wenigsten haben. Abgesehen vom Stress, neues Haus suchen, etc. Ausserdem war unser gemeinsamer Plan, in Guadalajara zu wohnen. Nichtmal in Tlaxcala oder Puebla, weil da der naechste Flughafen auch Mexico City waere und wir uns nur selten saehen. Also haben wir alles nach Guadalajara ausgerichtet und fest daran geglaubt... nix wars.

Also abwarten und Tee trinken. Abgewartet habe ich aber schon ziemlich lange hier in Guadalajara, darauf dass sich was Neues auftaete. Vor kurzem hatte ich 1-jaehriges im Hilton, ein Jahr Executive Floor, ein Jahr Spaetschicht, ein Jahr Hungerlohn... jetzt kaeme mal eine andere Firma oder auch einfach ein anderer Posten gelegen.

Andere Firmen gibt es auch. Z.B. ein anderes Hotel der Hilton-Familie, Hampton Inn, 5 Minuten von unserem Haus weg, nur wenige Zimmer, alles im Tarif inklusive, sprich kein grosser Stress beim Abrechnen, aber deutlich mehr Geld. Was sagt man dazu? Einziger Haken: Das Visum. Um einen anderen Job anzunehmen, offiziell, versteht sich, muss ich das zuerst beim Migrationsamt melden und warten bis die einverstanden sind, dann kann ich anfangen. Die allermeisten Firmen suchen Leute ab sofort. Ich koennte ja wieder als unbezahlter Praktikant anfangen, bis das Visum durch ist. Aber ich brauch ja das Geld, schliesslich muessen wir eine Hochzeit finanzieren! Ausserdem ist gerade ein denkbar schlechter Moment um die Firma zu wechseln: Ende April laeuft mein jetziges Visum sowieso aus.

Andere Posten hat es auch schon gegeben: Meine Freundin Bianca hatte den Hungerlohn auch satt und ist seit gestern Store Manager einer Starbucks-Filiale und verdient jetzt das Doppelte. (Soviel zu unseren Wedding Planner-Plaenen, die somit bis auf Weiteres auch dahin sind). Jedenfalls wurde ihre Stelle frei und ich wollte sie. Nur dass keiner jemals kam und fragte oder Vorstellungsgespraeche abgehalten wurden. Unsere Chefin ging einfach zum General Manager und schlug mich und eine andere (die nichtmal ein halbes Jahr an der Rezeption ist) vor, der sagte, er wolle mich nicht vom Executive Floor wegbewegen, und am selben Mittag, noch bevor meine Schicht anfing, wurde die andere schon eingearbeitet. Keiner hat jemals ein Wort zu mir gesagt, Details kenne ich nur, weil Bianca mir alles geschwatzt hat. Was nutzt es mir, dass alle der Meinung sind, ich mache meinen Job so toll, wenn ich unzufrieden zurueck bleibe und lieber gleich die Firma verlassen wuerde?
...wo wir wieder beim ersten Punkt waeren, so einfach ist das naemlich als Visumsabhaengiger Auslaender nicht.

Das Ergebnis ist also: Miguel bleibt in Mexico City und wir hoffen dass alles so schnell wie moeglich ueber die Buehne geht, koennen aber nicht wissen, wie lange das dauern kann, und ich bleibe im Hilton Guadalajara und hoffe, dass sich so schnell wie moeglich ein neuer Posten fuer mich auftut. Waehrenddessen stemmen wir irgendwie die Kosten fuer die Hochzeitsfeier, die wir in Raten zahlen wie ein Auto (kostet auch genausoviel). Und den ganzen Rest drumrum auch noch irgendwie. Und hoffen dass nicht gleichzeitig schon wieder was am Auto kaputt geht (seit Januar war alle zwei Wochen was) oder dass mir nicht schon wieder eine 10 Jahre alte Krone kaputt geht oder aehnliche Gluecksmomente.

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